Nur keine Bange
Kinder, die zur Schule kommen, wollen nun etwas anderes erleben als im Kindergarten. Sie fühlen sich groß und haben oft ein sehr herkömmliches Bild von Schule: Sie wollen schreiben, lesen und rechnen.
Erzählen, Spielen, sich Bewegen, Singen oder Malen zählen für sie gar nicht als »Schule«.
Dabei haben viele Schulanfänger eigentlich aber große Ängste und sind mit all dem Neuen leicht überfordert.
Ängste abzubauen und Vertrauen zu bilden muss das erste Ziel einer Grundschule sein.
Dazu haben wir über die Jahre eine Reihe von Maßnahmen entwickelt:
1
Schnuppermorgen
Vor den Anmeldungen haben Eltern und Kinder schon Gelegenheit, unsere Schule - die Räume, die Kinder, die Lehrkräfte, an einem Samstagmorgen im September zu erleben. Die Kinder können schon bei Mini-Stunden mitmachen, Spielangebote des Ganztags wahrnehmen, bei einer Orchesterprobe zuhören, in der Turnhalle turnen, auf dem Schulhof toben...
2
Vorschulische Beobachtungen der Schulanfänger
Bei der Anmeldung im November beobachtet die Schulleitung die Kinder in einem spielerisch unterstützten Gespräch daraufhin, wie sie mit den Anforderungen des Anfangsunterrichts zurechtkommen würden. Gegen Wartezeiten geben wir im Sekretariat in den Wochen vorher Termine aus.
Gibt es Anzeichen, dass das Kind mit der Einschulung überfordert wäre, suchen wir in einem Beratungsgespäch mit den Eltern nach Fördermöglichkeiten. Das können Tipps für eigene Förderung sein, besonders im erzieherischen Bereich, es können aber auch Verweise auf Ärzte, Beratungsstellen oder Therapien sein.
In seltenen Fällen kann es erforderlich sein, ein Kind noch ein weiteres Jahr im Kindergarten zu belassen. Dafür müssten allerdings in Übereinstimmung mit der Schulärztin medizinische Gründe vorliegen.
Bei besonderen Problemen kann auch ein Verfahren eingeleitet werden um sonderpädagogischen Förderbedarf zu ermitteln. Dann wird das Kind im Frühjahr von einer Grundschul- und einer Förderschullehrkraft eingehend untersucht. Da wir Stützpunktschule für Gemeinsamen Unterricht sind, haben wir viel Erfahrung mit diesen Verfahren (s. Gemeinsamer Unterricht). Bei anerkanntem Förderbedarf wird das Kind bei uns einen GU-Platz bekommen oder aber einen Platz einer passenden Förderschule.
Die Möglichkeit der Rückstellung in den Schulkindergarten gibt es seit 2005 in Nordrhein-Westfalen nicht mehr.
3
Matheförderung im Kindergarten
Sind uns Kinder bei der Anmeldung durch Probleme in Mathematik aufgefallen und die Kinder kommen aus dem benachbarten Burgkindergarten, gehen wir ab Februar in den Kindergarten um sie wöchentlich in einer Kleingruppe zu fördern. Diese Förderung läuft schon seit zwei Schuljahren und hat das Risiko, die Schule mit einer Matheschwäche zu beginnen, erheblich reduziert. Auch verbessert es die Zusmmenarbeit zwischen Schule und Kindergarten.
4
Schnupperstunde für die Kindergartengruppe
Wir laden unsere Schulanfänger ein, mit ihrer Kindergartengruppe in einer 1. Klasse "Schule zu spielen". Dazu bereitet eine Lehrkraft spezielle Stunden für die Kindergärten vor. Gemeinsam mit Erstklässlern geht es danach in die Pause, zum Frühstück und in die Sporthalle. So bekommen die Kleinen schon eine Vorstellung von der zukünftigen Arbeit und ihren neuen Schulkameraden.
5
Infoabend mit Vorstellung der Klassenbildung für die Eltern
Vor Schuljahresbeginn, meist im Juni, laden wir die Eltern der Schulanfänger ein, das Konzept der Schule, die Schulleitung sowie die zukünftige Klassenleitung ihres Kindes kennen zu lernen.
Dabei werden auch die Grundsätze der Klassenbildung erläutert. In Härtefällen sind noch letzte Wechsel möglich.
Zugleich erhalten die Eltern eine Liste der benötigten Unterrichts-materialien und erste Informationen zum Schulanfang. Außerdem lernen sich die Eltern einer Klasse schon untereinander kennen.
6
Kennenlernnachmittag für die Schulanfänger
Kurz nach dem Elternabend werden auch die »Neuen« an einem Nachmittag zum »Schule spielen« in ihre zukünftige Klasse eingeladen. Gemeinsam wird etwas gestaltet, das für den Schulanfang gebraucht wird. Hierbei lernen die Kinder bereits ihre Klassenlehrerin / ihren Klassenlehrer und die Klassenkameraden kennen. Sie können danach entspannter den Schulanfang abwarten.
7
Musikaufführung
Wenn Chor und Orchester in den letzten Schultagen des ablaufenden Schuljahres in der Aula ihr gemeinsames Stück vorführen, sind auch die Neuen schon dazu eingeladen. So erleben sie ein Stück Schulleben "ihrer" neuen Schule und können die musischen Leistungen der Großen genießen.
Ist in der Zeit ein Schulfest, sind die zukünftigen Schulanfänger auch immer schon "im Verteiler".
8
Einschulung
Am 2. Schultag nach den Sommerferien gibt es für die neuen 1. Klassen eine kleine Feierstunde in der Aula. Sie wird von den 4. Klassen, ihren Patenklassen, gestaltet. Diese Paten haben schon zur Begrüßung Spalier gestanden, ein kleines Willkommensgeschenk gebastelt und führen die Kleinen zu ihrer ersten Unterrichtsstunde in die Klasse.
Mit den christlichen Familien feiern wir vor der Feierstunde einen ökumenischen Einschulungsgottesdienst, der jährlich wechselnd in einer Kirche der verschiedenen Konfessionen stattfindet.
9
Patensystem
Die großen »Paten« aus den 4. Klassen begleiten die Erstklässler das ganze erste Schuljahr. Besonders zu Anfang helfen sie ihnen sich in der neuen Schule zurecht zu finden und in den Pausen sinnvolle Spiele zu finden.
Jede/r Große hat eine/n Kleine/n, den/die er oder sie betreut. Die Viertklässler können auch im Unterricht behilflich sein oder sogar in gemeinsamen Projekten mit den Kleinen zusammen arbeiten.
Insofern ist die Zuneigung oft gegenseitig: Helfen und Führen sind auch für die Großen eine wichtige Erfahrung.
Die Kleinen gestalten die Abschiedsfeier der 4. Schuljahre mit und müssen danach allein zurecht kommen. Später, in der 4. Klasse, übernehmen sie selbst die Patenrolle für die neuen »I-Männchen«.
10
Gruppenunterricht
In der ersten Woche sind täglich Gruppenstunden für einen Teil der Klasse geplant, damit die Kinder schnell Kontakt zur Lehrerin / zum Lehrer bekommen und sich leichter eingewöhnen. Der normale Stundenplan setzt danach mit rund 20 Wochenstunden ein. In die 1.Klassen geben wir zusätzlich besonders viele Förderstunden um die Übungsgruppen klein zu halten.
Wir versuchen auch möglichst viele Stunden in die Hand der Klassenleitung zu legen, aber nie alle, denn die Kinder müssen sich auch an unterschiedliche Menschen gewöhnen. |